Freitag, 16. Januar 2009

Strom und die Folgen

Nachdem die vier großen Stromkonzerne Eon, RWE, Vattenfall und EnBW direkt bestimmen, welche Strompreise in Deutschland gezahlt werden, bleibt wenig Spielraum für den Verbraucher, die Kosten zu senken. Angesichts eines Strompreises von über 50 Euro pro Mwh an der Leipziger Strombörse, wobei der durchschnittliche weltweite Preis nur bei 20 Euro pro Mwh liegt, werden hier und da Forderungen nach dem Eingreifen der Politik in den deutschen Strommarkt laut. Denn es steht zu befürchten, dass stromintensive Industrien wie Aluminium- und Kupferhütten, Stahlwerke, Chemieindustrie, Zementhersteller, Ziegeleien, Glas- und Porzellanindustrie etc. alle früher oder später Deutschland den Rücken kehren, wenn sich in Punkto Strompreisverbilligung nichts tut, und eine Menge Arbeitsplätze verloren gehen.
Betrug 2007 der Durchschnittsstrompreis noch ca. 0,15 Euro pro kWh für den privaten Endverbraucher, sind es 2008 bereits 0,18 Euro pro kWh. Grund dafür ist zum großen Teil die gegen den Widerstand der Kartellbehörde getätigte Fusion von Eon und Ruhrgas zu Eon Ruhrgas, die nun bundesweit immerhin ca. 65 % der Haushalte beliefern, wobei die Kommunen mit ihren Stadtwerken als Abnehmer, mit 25 Jahresverträgen geknebelt sind und nicht auf günstigere Lieferanten ausweichen können.
Es geht also nicht nur um die Abhängigkeit von fossilen Energieträgern, es geht auch um die Abhängigkeit von Großkonzernen, die uns drückt. Ökostrom ist zwar inzwischen populär, der Marktanteil von Ökostrom liegt aber immer noch nur bei 1 %, weil immer noch zu viele Kunden den Stromwechsel scheuen. Dabei ist Ökostrom inzwischen heute nicht wesentlich teurer als die Stromlieferung auf der Basis von fossilen Energieträgern. Und es ist zu erwarten, dass Ökostrom auf lange Sicht billiger wird, als der Strom aus fossilen Energieträgern.
So zahlt ein Haushalt mit 3750 kWh Jahresverbrauch in Berlin bei Vattenfall für Ökostrom derzeit 778,05 Euro, bei Trianel Energie 777,43 Euro und bei Lichtblick 854,78 Euro im Jahr. Während bei Vattenfall im Tarif Berlin Klassik 770,93 und Berlin Basis schon 780,30 Euro für Normalstrom berechnet werden, sind es bei Trianel Energie 767,62 Euro im Jahr. Das sind Differenzen von derzeit nur rund 10 Euro weniger im Jahr für herkömmlichen Strom im Vergleich zu Ökostrom.
Wenn man jetzt noch die Tatsache berücksichtigt, dass sich Deutschland unabhängig von großen Öl- und Gaslieferanten machen sollte, um zum einen nicht in deren weltweite Machtspiele um Rohstoffvorkommen hineingezogen zu werden und zum anderen den eigenen Teil der Verantwortung für unseren Planeten zu übernehmen, ist Strom aus erneuerbaren Energien vorrangig zu berücksichtigen, sowohl von der Politik als auch von den Verbrauchern. Deshalb sollte einerseits die Werbetrommel für Ökostrom weiter und deutlicher geschlagen werden, und andererseits sollten die Versorgungsnetze zunehmend in staatliche Hand gebracht werden, um den Wettbewerb zu fördern und kleinere Stromerzeuger nicht von den großen abhängig zu machen.

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