Freitag, 16. Januar 2009

Die Technokraten an der Macht

Sabine Christiansens Talkshow am 7.1.07. Der CDU Politiker konstatiert freundlich lächelnd: „Die Gesellschaft individualisiert sich halt immer mehr, und deshalb ... bla, bla ...“ Ja, so kann man die Entsolidarisierung auch bezeichnen: 'die Gesellschaft individualisiert sich'.
Was sich im Zynismus unseres Politikers an der Macht bemerkbar macht, wird von der Beamtin im Amt interpretiert und umgesetzt, wenn sie beispielsweise eine hochschwangere Frau allein und mittellos in den Kongo abschiebt, mit der lapidaren Bemerkung: Na und, es ist dann eben eine Schwangere mehr im Kongo. (Monitor im Dezember 2006) Die Frau stirbt dort ohne die nötige Hilfe in ihrem Zustand natürlich. Was abzusehen war. Wenn man nur einen Funken Menschenverstand gehabt hätte, dann wüsste man, dass Armut tötet.

Das, was heute geschieht ist, dass die Gefühlslosigkeit und Entmenschlichung langsam aber sicher im großen Stil Einzug in unsere Gesellschaft hält. Und zwar im Charakter derjenigen, die nichts mehr merken und/oder alles beschönigen. Die sitzen an den Schaltstellen der Macht genauso wie in den Amtstuben und Institutionen, dort wo alles nach kalt berechenbaren Regeln der Lenkung und Kontrolle geregelt wird. Die Technokraten an der Macht. Die zeigen dann mit dem Finger auf prügelnde Neonazis und würden niemals auf die Idee kommen, dass das nur die Kehrseite derselben Medaille ist.

Die Technokraten oder die 'Neuen Spießer' wähnen sich auf der sicheren Seite, zusammen mit der heiligen Kuh 'Wissenschaft' wirken sie an einer wissenschaftlich konstruierten Realität, die alles Mitmenschliche technokratisch wegreguliert, da es wissenschaftlich nicht erfassbar ist. Wissenschaft, die einst angetreten war, um der Aufklärung in einer Gesellschaft zu dienen, bringt heute im Gewand der wirtschaftlich-technischen Rationalität solche Platitüden hervor wie: „Die Araber haben zu viele Kinder. Da die im arabischen Raum keine Perspektive haben, sprengen die sich selbst in die Luft“(Sloterdijk am 26.2.07 im TV) Kein Wunder, dass die Geisteswissenschaft am Ende ist. Denn besonders geistreich ist dieser Ausspruch eines bedeutenden Philosophen nicht gewesen.
Aber 'Geist' ist ja bereits im Sinne der wirtschaftlich-technischen Rationalität als nicht existent, da nicht messbar, erklärt worden. Daher muss man als Geisteswissenschaftler auch nicht geistreich sein. Punktum.

Ein Aufschrei ging dann auch durch die Internet-Wikipedia-Gemeinde, als mein Artikel zu dem Phänomen Itigilov in Iwolginsk, bei Wikipedia eingestellt werden sollte. Zu 'wundergläubig' hieß es da und wurde sofort wieder gelöscht. - Ja, sicher, wenn man nämlich allgemein anerkennen würde, wie Itigilov beweist, dass der Geist über den Körper herrschen kann, müsste man auch anerkennen, dass ein Mensch sich selbst heilen kann, bzw. dass es so etwas wie Geistheilung geben kann und dann könnte man die Menschen natürlich nicht mehr zwingen im Krankheitsfall Pillen zu schlucken. Da sie dann die Wahl hätten, sich auch auf andere Weise zu kurieren, würde die Pharmaindustrie weniger verdienen. Ja, das geht natürlich nicht. Wo kommen wir denn da hin.

Also, wenn das Kind in der Schule zappelt, wird flugs ADS (eine von der Wissenschaft erfundene Krankheit) diagnostiziert und Ritalin verabreicht. Sollten sich die Eltern weigern ihrem Kind diese Droge mit erheblichen Spätfolgen zu geben, wird man das Kind kurzerhand von der Schule verweisen. Da diese Familie ungeeignet als eierlegende Wollmilchsau für die Pharmaindustrie ist, hat sie auch von den Technokraten in der Schulbürokratie keine Unterstützung mehr zu erwarten.
Es kommt jedoch noch schlimmer. Mit der neu eingeführten Zwei Klassen Medizin, die sich Gesundheitsreform nennt, werden Hilfeleistungen nur noch gewährt, die auch im Leistungskatalog der Kassen vorgesehen sind. Und die, die da vorgesehen sind, dienen allein dem Wohl der Pharmaindustrie. Sollte es also über diesen Leistungskatalog hinaus etwas geben, das zwar dem totkranken Patienten hilft, aber nicht der Pharmaindustrie, hat der Patient eben Pech gehabt und stirbt dann eben, wenn die gesetzliche Kasse diese Hilfeleistung nicht vorsieht (Sendung auf 3sat am 7.5.07).

Aber das kennen wir ja alles schon. Früher hatten die 68er dafür den Begriff „strukturelle Gewalt“. Und noch früher hat ein Schriftsteller einen ganzen Roman darüber geschrieben wie man es schafft, dass die Technokraten der Teufel holt. - Mit Magie, Freunde, mit Magie. (Michail Bulgakow, Der Meister und Margarita)Zu beziehen bei www.booklands.de unter 'Ausgewählte Autoren'. Dieser Roman ist wieder aktuell und wurde deshalb auch gerade erst wieder neu auf S. 186 im Spiegel Nr. 9 besprochen.

Übrigens: Wo Recht zu Unrecht wird ...

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen